Energie aus Wildpflanzen

Bei EAW handelt es sich um eine neue Pflanzenkultur, die in der Landwirtschaft den Anbau von Energiemais zumindest auf Teilflächen ersetzen soll.

Bioenergie ist in aller Munde und die großen Anstrengungen der Gesellschaft, Alternativen für die Energieerzeugung zu gestalten, wurden schon vor einigen Jahren auch bei uns langsam sichtbar.

Zuerst verschwanden die Stilllegungsflächen aus der Landschaft. Mit diesem Instrument sollte die Nahrungsmittelproduktion gedrosselt werden. In mühsamsten Verhandlungen erreichten unsere Jäger vom Landesjagdverband, geführt von Oberforstmeister Graf, den Bürokraten im Land eine Saatgutmischung schmackhaft zu machen, die allen freilebenden Tieren des Feldes optimale Nahrungs- und Deckungsflächen schaffen konnte. Diese OLAP-Mischung (Offenland-Arten-Programm) übertraf alle Erwartungen. Die Niederwildarten reagierten spontan in ihren Besätzen, die Imker freuten sich über die blütenreichen Flächen und viele Arten der roten Listen kehrten in ihre Heimat zurück.

Im Wetteraukreis wurden bis zu 600 ha damit bestellt, aber die Freude hielt nicht lange an.

Der Anbau von Raps für die Herstellung von Biodiesel wurde für die Landwirte lukrativer und da der Biodiesel kein Lebensmittel war, konnten dafür auch die zuvor stillgelegten Flächen wieder verwendet werden. Ein zweites Hemmnis war wieder die Bürokratie, die ständig neue Auflagen und Formulare erfand. Es gab so haarsträubend komplizierte Regeln, mit denen die Anlage von OLAP-Flächen so unattraktiv wurde, dass den Landwirten der Schritt zum Rapsanbau für Biodiesel sehr leicht wurde.

Wir standen wieder vor Agrarwüsten und es war keine große Verschlechterung mehr, als die ersten Biogasanlagen gebaut wurden und der Maisanbau deutlich zunahm.

Es gibt beeindruckende Zahlen, dass in Hessen in der Vergangenheit der Mais schon auf größeren Flächen angebaut wurde. Es ist aber auch beeindruckend, dass Niederwildreviere in den Vorhöhen des Vogelsberges, die immer einen Maisflächenanteil von fünf bis acht Hektar hatten, plötzlich vor Flächen mit 25 ha und mehr standen. Dafür wurden nicht nur alle Stilllegungsflächen und vorher mit Raps bebaute Flächen verwendet, es wurde auch umfangreich Grünland umgebrochen.

Der Neubau zahlreicher Biogasanlagen in unserer Region erzeugte Angst von Wildschäden, kontroverse Auseinandersetzungen mit Jagdgenossenschaften, Unmut wegen großflächigem Wiesenumbruch und Ärger wegen dem Lebensraumverlust durch Monotonie in der Agrarlandschaft.

Vom Naturschutz kam keine Regung, weil Ökostrom ja nichts Schlechtes sein kann. Wir brauchten eine neue Idee, um die weitere Verschlechterung der Biotopqualität unserer Reviere zu vermeiden und um die Entwicklung in eine positive Richtung zu bringen.

Wir schickten unsere Jäger aus, um nach neuen Ideen zu suchen und fanden bei einer Veranstaltung im Naturschutzzentrum Wetzlar einen Lösungsansatz.

Von der bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim wurde eine Saatmischung aus heimischen Pflanzenarten vorgestellt, die den bisher obligatorischen Mais als Substrat für Biogasanlagen ersetzen soll. http://www.lebensraum-brache.de/Projekte/Biogas/index.php

Bei einem kurzfristig anberaumten Ortstermin in Veitshöchheim wurden gemeinsam mit Landwirten und Betreibern von Biogasanlagen diese Kulturen besichtigt.

Es war überwältigend, die bunt blühenden Flächen neben den tristen Maisflächen zu besichtigen und es wurde spontan beschlossen, diese Alternative bei uns zu probieren.

Unter Vermittlung von Dr. Bretschneider-Herrmann, einem Vizepräsidenten des LJV wurden 11 ha Fläche verschiedener Landwirte unter Vertrag genommen und im Frühjahr 2011 ausgesät.

 

Nach dem ersten Versuchsjahr sind die Erwartungen der Landwirte, der Biogasanlagenbetreiber und von uns Jägern erfüllt und wir erwarten freudig gespannt das nächste Standjahr der Pflanzenmischungen.